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Feuerwehr Selfoss Island 2017 012Feuerwehrleute interessieren sich auch im Urlaub oder auf Reisen für die Feuerwehr. Wie ist die Feuerwehr in diesem Land organisiert? Welche Technik und welche Fahrzeuge haben sie hier? Gibt es vielleicht das eine oder andere System, das auch für unsere Feuerwehr interessant wäre? Das sind die Fragen, die beim Besuch einer Feuerwache in einem anderen Land auf der Hand liegen. Und natürlich kommt es immer zu einem regen Austausch.

Am Freitag, 28. Juli 2017 hatte Frank Seidl, Feuerwehrmann aus Bad Soden-Salmünster Gelegenheit, die größte Feuerwehr-Einheit von Island zu besuchen: In Selfoss, im Südwesten der Insel.

Feuerwehr Selfoss Island 2017 001Die gesamte Insel und der Staat Island hat gerade einmal 330.000 Einwohner, davon alleine 120.000 in der Hauptstadt Reykjavik im Westen der Insel. Mit gerade einmal 6.650 Einwohnern ist Selfoss, eine Autostunde von Reykjavik entfernt, die größte Stadt Südislands und Sitz der größten Feuerwehreinheit der Insel. Feuerwehr heißt hier "Brunavarnir".

Mit wenigen hauptamtlichen Kräften, der Leitung mit hauptamtlichen Gerätewarten, ist die Feuerwache in Selfoss besetzt. Sie ist gleichzeitig Rettungswache und beherbergt auch die privat organisierte Search and Rescue-Einheit (SAR). So ist das Gebäude das Feuerwehr- und Rettungsdienstzentrum am breiten, reißenden und wasserreichsten Fluss der Insel, Ölfusá, direkt am Krankenhaus und der Polizeiwache. Und der Polizeichef, Jón Lárusson, gleichzeitig Leiter des Pfadfinderlagers in Selfoss im Rahmen des World Scout Moots in Island, an dem Frank Seidl teilnahm, vermittelte den Kontakt zur Feuerwehr.

Haukur Grönli nahm sich als stellvertretender Leiter der regionalen Feuerwehr-Einheit viel Zeit. Die Feuerwehr der Region Árnessýslu besteht aus acht Feuerwehr- und Rettungswachen im Umkreis und umfasst mehrere Städte. Haukur selbst hat ebenfalls Auslandserfahrung. Er hat mehrere Jahre bei der Berufsfeuerwehr in Norwegen gearbeitet und ist vor ein paar Monaten wieder in seine Heimat zurückgekehrt. In Island spricht man sich übrigens - wie bei der Feuerwehr oder den Pfadfindern auch üblich - mit Vornamen an. Hier ist das nur noch etwas weiter verbreitet: Auch der Präsident wird hier mit Vornamen angesprochen. Man sagt ohnehin, dass sich in Island eh alle kennen ... Dazu in einem späteren Bericht.

Selfoss bildet die Zentrale für die Region und ist damit größer als die Feuerwehr in der Hauptstadt. Hier finden auch Ausbildungsmaßnahmen statt und Haukur hat in seiner Amtszeit bereits einige Neuerungen umgesetzt bzw. eingeleitet. Unter anderem geht es auch um die bessere Zusammenarbeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl der acht Standorte. Ein nicht ganz unbekanntes Thema.

Feuerwehr Selfoss Island 2017 002Hubschraubereinsatz, Tanklöschfahrzeugen und freie Feuerlöscher

Eine zehnminütige Hilfsfrist, wie in Deutschland gesetzlich verankert, ist im dünnbesiedelten Island nicht vorstellbar. "Bis zum äußersten Punkt unseres Einsatzgebietes können es schon mal 2 Stunden Anfahrt sein.", erklärte Haukur.  Bei Verkehrsunfällen komme daher oft ein Hubschrauber zum Einsatz. Eine weitere Schwierigkeit sei das Hochland mit dem unwegsamen Gelände. [Beispiel: Eine unwegsame Strecke auf der F910 im Hochland ist mit einem Zeitansatz von 7 bis 8 Stunden für 100 Kilometer beschrieben und nur für große Geländewagen mit Reifengrößen von mindestens 33 Zoll freigegeben]. Und trotz vieler Bäche und Flüsse im Land sei die Wasserversorgung ein Problem. Waldbrände gebe es selten, dafür ist es zu kalt und es gibt zu wenige Wälder. Dafür haben sie sich eingestellt: Ein Wechselladerfahrzeug ist quasi ein Tanklöschfahrzeug mit 15.000 Liter Wasser und eigener Pumpe. Dazu gibt es mehrere größe Faltbecken, um Wasser in großen Mengen vor Ort zu lassen und im Pendelverkehr neues Löschwasser zu holen. Eine Besonderheit ist die Versorgung mit Feuerlöschern. Der Prüf- und Fülldienst wird von der Feuerwehr angeboten. Angelegene Höfe bekommen kostenfrei Feuerlöscher gestellt, sozusagen als "Erste Hilfe" in Sachen Brandbekämpfung.

Neben dem großen Tanklöschfahrzeug ist ein Hilfeleistungslöschfahrzeug mit Löschwassertank Standard. Das auf dem gemeinsamen Foto wird am 11. August 2017 eingeweiht.

Als schnelles Einsatzmittel steht ein kleiner Truck (Ford Ranger) zur Verfügung, der sowohl Geräte zur technischen Hilfeleistung (z.B. Rettungsschere & Spreizer), zur Brandbekämpfung (Schnellangriff mit kleinem Wassertank), zur Verkehrsabsicherung als auch zur Erkundung (Führungsfahrzeug) und zur Ersten Hilfe (First Responder).   

Interessant war auch die leichte und schwimmbare Pumpe "Niagara 2" ("Floating Pump" Fa. Ogniochron, Polen), die zwischen 450 Litern (2 bar) und maximal 1.200 Litern pro Minute fördert und nur 29 kg wiegt. Gerade in Zeiten der knappen Tagesalarmbesetzung muss mehr und mehr an leichte Geräte gedacht werden, die von wenigen Menschen bedient oder getragen werden. Leichte, tragbare Pumpen könnten eine Alternative zur schweren Tragkraftspritze (PFPN) zwischen 66 und 166 kg sein.

Search and Rescue Iceland (ICE SAR)

Die "ICE SAR" - die Such- und Rettungseinheit Island ist in Island (Iceland) weit verbreitet und vereint - privat organisiert und durch Spenden finanziert - Aufgaben der Wasser- und Bergrettung mit technischer Hilfeleistung, Rettungs- und Suchdienst und sind First Responder. Die persönliche Schutzausrüstung, Seile und Haken sind oftmals Privateigentum der ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Und sie machen eine gute Jugendarbeit, sind quasi die Jugendorganisation der Rettungsdienste und der Feuerwehr, in der schon wichtige Grundlagen in Erster Hilfe und Rettung gelegt werden. Auch Vize-Feuerwehrchef Haukur begann natürlich als Jugendlicher in der SAR-Einheit.

Mehr Infos zur Feuerwehr dort unter www.babubabu.is (ja, die offizielle Homepage der Feuerwehr heißt da so ... :-).

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