Vom 8. bis 10. Juni 2026 fand an der Hessischen Landesfeuerwehrschule (HLFS) in Kassel ein Einsatzsimulationstraining für Zug- und Verbandsführer statt, an dem auch ein Verbandsführer aus Bad Soden-Salmünster teilnahm.
An drei Tagen wurden verschiedene kleinere wie größere Einsatzszenarien taktisch in den Führungsebenen trainiert. Grundlage bildet die Führungsorganisation nach der Feuerwehrdienstvorschrift 100 (FwDV 100) mit dem Führungsvorgang, dem System und dem Nutzen von Führungsmitteln.
In Echtzeit wurden bestimmte Szenarien vom Erkunden durch die ersteintreffende Einheit über den Aufbau einer Führungsstruktur mit Abschnittsbildung und Einrichten einer Technischen Einsatzleitung / ELW 2 (Einsatzleitwagen 2) mit Einsatzleiter und Sachgebietsleiter und Führungsassistenten bis zum Abarbeiten der dynamischen Einsatzlagen. Die Übungsleitung sorgte nicht nur für die Dynamik und Überraschungen, sie brachten auch die Komponente Druck und Stress mit in die Situation. In mehreren Räumen und Orten fanden die Führungseinheiten ihren Platz. In einem Bereich war der ELW 2 aufgebaut, wie im Original mit länglichem Stabsraum mit Platz für die Sachgebiete und die Lagebesprechungen, mit Durchreiche angehängt der Fernmelderaum mit drei Plätzen (Eingang/Ausgang/Nachweisung). In einem größeren Bereich waren die direkten Einsatzstellen-Abschnitte und benachbart einzelne Zellen für die Simulation von ELW 1 bzw. diverse andere Einsatzabschnitte wie Wasserversorgung, Rettungsdienst und Bereitstellungsplatz. Die Übungsleitung mit Team und Ausbildern bildete in einem Raum die Regie und Leitstelle ab.
Am Dienstag, 9. Juni 2026 wurde ein komplexer Einsatz von morgens bis zum Nachmittag durchgeübt und die Funktionen, die Taktik, Kommunikation und den Einsatzerfolg gemeinsam reflektiert.
"Das Seminar ist absolut empfehlenswert für Führungskräfte, da Einsatzszenarien mal in guter Besetzung der Funktionen und mit fachlicher Begleitung realitätsnahe geübt werden können", so Teilnehmer Frank Seidl aus Bad Soden-Salmünster. Zwar musste der "gute alte" Vierfachvordruck als Kommunikationsmedium im Einsatzleitwagen herhalten, aberr als Ausfallebene ist auch das Training nicht sinnlos. Noch praktikabler wäre natürlich auch der Einsatz von moderner Einsatzsoftware, die bereits schon in vielen Städten und Gemeinden genutzt wird, so auch seit Jahren in der TEL Bad Soden-Salmünster. Diese ist jedoch nicht landeseinheitlich, auch nicht kreiseinheitlich, sondern momentan noch von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Eine einheitliche Software würde auch die interkommunale Zusammenarbeit zur Einsatzführungsunterstützung vereinfachen.
Als essentielles Mittel in der Führungsorganisation wurde die Lagebesprechung identifiziert, die alle auf den aktuellen Stand bringen soll und die Kommunikation und damit den Einsatzerfolg verbessern. Die Abstände dürfen dabei nicht zu gering sein, um ein Arbeiten (und Führen) in den Einsatzabschnitten zu ermöglichen. Wege- und Vorbereitungszeiten, die Kommunikation im eigenen Abschnitt etc. sind dabei mit zu bedenken. Sind die Abstände zu groß, gehen Informationen verloren, die Übersicht und das Steuern werden schwieriger. Die Lagebesprechung soll kurz und knackig gehalten werden, aber Zeit bieten, wichtige Dinge zu besprechen.
Alle Einsatzabschnittsleiter und Fachberater sind fünf Minuten vor der Lagebesprechung am ELW 2 / an der Einsatzleitung, um sich schon mal ein Lagebild zu machen und abzugleichen, ob die dokumentierten Angaben zum eigenen EA korrekt sind. Zur Lagebesprechungen fasst nach der kurzen Begrüßung und allgemeine/gesamte Infos durch den Einsatzleiter (z.B. "Willkommen zur 3. Lagebesprechung, wir sind nun 5 Stunden im Einsatz und haben nun eine stabile Lage erreicht. Für die gute Zusammenarbeit und für die Leistungen in den Abschnitten schon mal Danke! Ich gebe ab an S 2 zur Lagedarstellung.") der S 2 (Lagedarstellung) die aktuelle Lage zusammen. Die Einsatzabschnittsleiter und Fachberater geben ein kurzes Statement, bevor die restlichen Einsatzabschnitte ihren Bericht abgeben.
Je nach Lage sollte die Lagebesprechung in 10 - 15 Minuten "gehalten" sein. Die Abschnitte können dabei jeweils nach der Regel "MEIN LADEN" vorgehen (Achtung, Analogie-Beispiel, kein reales Feuerwehr-Szenario):
M - Meldender: "Ich bin Ingo Feuerbär ..."
EIN - Einsatzabschnitt: "...aus dem Einsatzabschnitt Brennholzverleih am Holzplatz links neben der Feuerstelle."
L - Lage: "Wir sind seit 2 Stunden im Einsatz. Wir haben derzeit einen Vorrat von 5 m³ Brennholz."
A - Auftrag: "Unser Auftrag ist es, stündlich mindestens 2 m³ Brennholz für das Lagerfeuer zur Verfügung zu stellen."
D - durchgeführte Maßnahmen: "Wir haben den Bestand von 1 m³ Brennholz bereits um 4 m³ Brennholz aufgefüllt. Weiteres Brennholz wird kontinuierlich geschlagen. Stündlich können wir etwa 3 m³ Brennholz an den Brennholzübergabepunkt liefern."
E - eingesetzte Kräfte: "Wir haben 21 Einsatzkräfte im Abschnitt."
N - Nachforderung/Anträge/Ausblick: "Der Wald bietet ausreichend Brennholz für Dauer des Einsatzes. Es ist keine weitere Brennholzentnahmestelle oder ein Pendelverkehr "AB Brennholz (Brennholz to go)" notwendig. Wir benötigen Verpflegung - Getränke und Essen und folgende Betriebsmittel: 50 Liter Benzin und 5 Ersatz-Motorkettensäge mit Reinigungsset. Eine Komplettablösung der Kräfte ist in spätestens 5 Stunden vorzusehen."
"Hiermit beende ich meine Ausführungen für den Einsatzabschnitt Brennholzverleih." ("Ich habe fertig.")





Lagebesprechung im nachgebauten ELW 2.

Sachgebietsleitungen S 1 (Innerer Dienst) und S 3 (Einsatz).

Einsatzabschnittsleiter, Einsatzleiter und Fachberater, Führungsassistenten im ELW 2.

Einsatzabschnitte mit eigenen ELW (Einsatzzelle)

Fachberater ELO (Einsatzleiter vor Ort) der Polizei schaut im ELW 2 vorbei

Führungsstrukur mit Kommunikation


Eigene Kräfteübersicht und Einsatztagebuch in den Einsatzabschnitten



Szenario Brand Industriehalle (und später Ausbreitung auf Reifenlager)





Einsatznachbesprechung und Vorstellung jedes Abschnitts

Gelände der Hessischen Landesfeuerwehrschule (HLFS) (Foto im Foyer). Im Bereich der Wiese und der Parkplätze am rechten Bildrand soll noch in diesem Jahr der Baubeginn für einen neuen Gebäudekomplex mit Parkplätzen, Lehrsälen und Unterkünften entstehen.

Fernmeldeeinheit im ELW 2.

Lage am 3. Tag

ELW 2 im "Urzustand"


Die 21 Teilnehmer/innen des Einsatzsimulationstrainings im Juni 2026























