Die Feuerwehr Mernes hatte sich für den Übungsabend am Mittwoch, 23. September 2026 Orientierung im Gelände / Arbeiten mit Koordinaten auf den Plan geschrieben. Nicht überall gibt es Straßen, Hausnummern, Etagen ..., im Gelände muss man sich auch mal mit Koordinaten orientieren.
In einer Theorieeinheit vor dem Feuerwehrhaus ging es zunächst um das Grundverständnis und die Orientierung per metrischen Koordinatensystem Universal Transverse Mercator (UTM) im REF oder MGRS (Military Grid Reference System), also 100 km-Planquadrate*, wie sie auch im Sprechfunkgerät zu finden sind.
Im Menü findet man den Unterpunkt Standort und dort die Position, die im UTMREF angegeben ist. Die Grundlage ist das WGS84 - das World Geodetic System von 1984, ein weltweites Standard-Koordinatensystem. Die Erdoberfläche (zwischen 80° Süd und 84° Nord) wird hierbei verebnet in 6 ° breite vertikale Zonen.
*Da die Erde keine Scheibe ist (Überraschung), sondern Rundungen hat, entsprechen die Abstände zwischen den Breitengraden (Nord-Süd, Latitude) fast überall ca. 111 km pro Grad, so dass 100 km immer ca. 0,9° entsprechen. In Ost-West-Richtung (Längengrad, Longitude) sind die Unterschiede extremer, am Äquator (breiteste Stelle, "Bauch" der Erde) sind es ca. 0,9°, am Polarkreis ca. 2,26°, in der Mitte Deutschlands ca. 1,4°.
Im UTM-System gibt es von West nach Ost 60 Meridianzonen á 6° (60 x 6° = 360°, z.B. UTM-Zone 32) und von Süd nach Nord 20 Bänder (z.B. UTM-Band U), d.h. 1.200 Zonenfelder.
Die Koordinate zeigt zunächst das Zonenfeld an. In Deutschland liegt ist das Hauptzonenfeld bei 32U. Das 100 km-Planquadrat darin ist in unserer Region NA, d.h. 32U NA zeigt die Position auf 100 x 100 Kilometer in Hessen an. Mit der bis zu fünfstelligen Koordinate kann eine Position metergenau angegeben werden. So befindet sich bspw. an der Position 32U NA 29235 72178 das Schild zum Rettungspunkt MKK-15 am Parkplatz Stausee Ahl am Weg Richtung Seidenroth.
32U - Zonenfeld (~ Deutschland)
NA - 100 km-Quadrat (~ Teil von Hessen, MKK)
29... 72... - Kilometer-Position Ostwert - Nordwert (erste beiden Ziffern, ist die Position z.B. bei 3 Ost und 7 Nord, muss eine führende Null hinzugefügt werden: 03... 07...)
292.. 721.. - auf 100 Meter genau.
2923. 7217. - auf 10 Meter genau.
29235 72178 - auf 1 Meter genau.
Für einen Brand oder eine größere Schadenstelle genügt meist vermutlich die Genauigkeit von 100 Metern, d.h. eine 2 x 3stellige Koordinate (z.B. 32U NA 292 271), für die Position einer verletzten Person darf es dann schon genauer sein.
Zur Positionierung wird GPS - Global Positioning System - genutzt. Je nach Position und Genauigkeit, kann es zu Abweichungen kommen. Dennoch bietet es eine sehr gute Möglichkeit, einer Einsatzstelle, ob Brand, Notfallstelle oder verletzter Person, nahe zu kommen.
Neben den UTMREF oder MGRS (32U NA ...) kann man die WGS84 auch als Dezimalgrad abbilden (z.B. in googlemaps): Hier bildet jeweils die Zahl vor dem Punkt die Latitude und die Longitude.
Ebenso sind "Grad Minuten" (nautische Notation, insbes. in der Seefahrt oder beim Geocaching), z.B. 52° 12.576'N (Nord), 12° 44.9871'E (Ost), und "Grad Minuten Sekunden" (historische Nautation, sexagesimal, z.B. Wikipedia) gängige Darstellungsformen, z.B. 52° 12' 43.22" N (Nord) 12° 44' 33" E (Ost) - (erste Zahl Degree zwischen -180 und 180, zweite Zahl Minuten zwischn 0 und 59, letzte Zahl Sekunden zwischn 0 und 59 oder als Dezimalzahl bis 59.999999. Eine Breitenminute entspricht 1,852 km (= Seemeile!).
Darüber hinaus gibt es noch den Swiss Grid (CH1903 LV03) und den CH1903+ LV95 etc.
Im Gegensatz zum metrischen UTM-System, ist das Gauß-Krüger-System ein kartesisches Koordinatensystem, bei dem 3° breite Streifen (statt 6° beim UTM) verwendet werden.
Seit 2013 gibt es ein weiteres globales System, um Koordinaten mit einer Genauigkeit von 3 x 3 Metern zu bilden: What 3 Words (W3W). Jede Position auf der Erde ist in 3 x 3 Meter-Quadraten definiert und trägt einen eindeutigen (aber wahllosen/ohne Inhaltsbezug) Namen aus drei Worten, z.B. hymne.grob.anmut für das Vorderfront des Blockhauses Ahl, an dem ein Holzkreuz hängt). Über die kostenfreie w3w-App können hier Koordinaten gebildet, aber auch gefunden werden, zu dieser navigiert werden oder diese auch geteilt werden, bspw. zu nachrückenden Einheiten.
Soweit zur Theorie in der Tiefe zum Nachlesen, zurück zur Übung in Mernes! :-)
In der Praxis gab es zunächst eine kurze Einführung in die Sprechfunkgeräte, d.h. wo im Menü die UTMREF-Koordinate zu finden ist, wo im Internet / googlemaps, W3W welche Koordinate / Position zu finden oder umzurechnen ist. Auch KI ist hilfreich, indem die Koordinate/Angabe auf dem Aufgabenblatt abfotografiert wird und die KI mit der Umrechnung etc. und Navigation beauftragt wird.
Mit über 20 Einsatzkräften ging es auf drei Routen (Aufgabenzettel von 1 bis 25, von 25 bis 1 und einmal von der Mitte ausgehend) mit zwei Mannschaftstransportwagen (MTW) und einem Löschgruppenfahrzeug (LF 8/6) durch den Spessart zu verschiedenen Stationen und Aufgaben, die der Übungsleiter sich überlegt hatte. Teamleiter waren Simon Dietz, Patrick Essel und Andreas Braun. Als Übungsleiter hatte Frank Seidl die Koordinaten- und Orientierungsfahrt mit zahlreichen Aufgaben vorbereitet.
Mal mussten Schilder an einer genauen Position gefunden und der Text gelesen werden, mal mussten W3W und UTM-Koordinaten z.B. an Rettungspunkten gebildet werden. Das ganze machte den Merneser Feuerwehrleuten nicht nur Spaß, es trug auch zur Ortskenntnis in der näheren Umgebung und zur Heimatkunde bei.
Fast zwei Stunden waren die "Sucheinheiten" unterwegs und verlängtern das eigentliche Übungsende selbständig ("Zwei Koordinaten schaffen wir noch ..."). Zwischendurch gab es auch eine Stelle am Blockhaus Ahl, an dem auf einem Tisch unter Dach eine große Kiste Schokoküsse auf die Finder wartete. Die Einsatzkräfte waren sich alle einig, dass der Übungsabend Spaß und Erkenntnisse brachte und gerne bald wieder stattfinden sollte, ggf. das nächste mal wieder kombiniert mit Kartenkunde, wenn Internet und technische Koordinationssysteme ausfallen.








Fotos Andreas Braun:


Fotos Eric Göbel:















